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Samstag, 24.08.2019

OZ-online 10.09.2011 - Holger Vonberg

Drei Künstler mit „Weiß im KUBUS“

Arkona. Der KUBUS in der Galerie „mehrsehen“ am Kap ist ein fensterloser, weißer Raum. Hier kann die Galeristin EllenNa ein ihr wichtiges Anliegen umsetzen: Sie präsentiert Künstlerkollegen und arbeitet mit ihnen themen- und projektbezogen zusammen. Wechselnde Ausstellungen verwandeln diesen KUBUS dann in einen ganz eigenen Kunst-Kosmos. Am vergangenen Sonnabend ist dort „Weiß im KUBUS“ eröffnet worden - mit Collagen, Bildern und Objekten von Angelica Russ, EllenNa und TO Helbig.

„Weiß im Kubus“: Der 1961 in Sachsen geborene TO Helbig, ein seit 1989 in Pinnow bei Schwerin lebender und seit 1998 selbstständiger Maler und Objektkünstler, hat sich dazu Gedanken gemacht, sie zu Papier gebracht und zur Vernissage einem innehaltenden Auditorium vorgetragen, während hunderte schwarze Vögel lärmend Platz in einem vom Wind gebeugten Baum neben den Leuchttürmen suchten: „Ich sehe das Weiß der Wellenkämme der Gischt. Ich sehe die Hintern der Urlauber so weiß bei der Ankunft im Sand. Ich sehe die weißen Zähne der Kinder beim Eislecken. Ich sehe weiße Streifen am Himmel der Düsenflugzeuge. Ich sehe die verharschten, schmutzweißen Schneeberge im Frühjahr in den Straßengräben. Ich sehe mein weißes Papier am Anfang dieser Zeilen . . .“

Die Bilder und Objekte der Ausstellung seien gut zu orten. „Sie kommen von dieser Salzküste und zeigen uns hier und der Welt in der stillen Sprache dreier Künstler, was sie treibt und Docht leuchten lässt und verbrennt. . . Das Weiß der Kreide wirft uns hier wieder und wieder zurück auf die Unberührtheit, den Beginn einer Eroberung dieser so vielfachen Welt und dieser Menschen. Ureinwohner, Dahergekommene und Gäste für Zeiten.“

Kunstwerke in Schwarz und Weiß ziehen die bewundernden Blicke der Besucher auf sich: Stelen, Arbeiten von Angelica Russ, deren Wurzeln auf Rügen zu finden sind und die seit 2008 in Glowe lebt. An den Wänden auch ihre Schriftcollagen in Mischtechnik, daneben „Weis(s)er Aufbruch, ein Werk von EllenNa, ihre „Schöpferische Begegnung II“, eine schwarze, verformte Fischkiste, gefüllt mit Feuersteinen und Kuben, und das Objekt „Zukunft braucht Vergangenheit“, ein in die Wand integrierter schwarzer Würfel, in dem mit Zeitungspapier beklebte und mit Kreide verwaschene Stäbe angebracht sind.

Mit zwei großen Arbeiten ist TO Helbig vertreten, mit einer dreiteiligen Collage, die den Titel trägt: „Ich — weiss — Ich — schwarz“ und einem achtteiligen Kunstwerk „Weiss — Meer“.

Musikalisch begleitet wurde die Ausstellungseröffnung von Martina Y´ Braun, die nicht nur Akkordeon spielte, sondern auch Feuersteinen, einer zweisaitigen Pferdekopfgeige, einem „Reisophon“, einem „Erbsophon“ und einer einsaitigen Nonnengeige Töne entlockte und dazu sang. „Ich stehe mehr auf Heavy Metal“, sagte ein 15-Jähriger aus Euskirchen. Mit seiner Gruppe hatte er einen Abstecher nach Arkona gemacht. „Die Schüssel mit Reiskörnern musst du schütteln. Vielleicht bekommst du dann einen Rhythmus hin“, sagte die Musikerin. Seine kurze Antwort passte dann auch zum Thema der Ausstellung:

„Ich weiß.“

Holger Vonberg